Joachim Franz im Experteninterview

Joachim Franz ist vor allem: vielseitig, denn unter anderem ist er als Extremsportler, Expeditionsleiter, Aktivist und Unternehmer aktiv. Durch sein soziales Engagement bekam er 2011 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Mit seinem Unternehmen Abenteuerhaus GmbH widmet er sich Personal Development und unterstützt Menschen durch Workshops, Seminare und Expeditionen. Selbsterklärtes Ziel seinerseits? „Ungewöhnliches, manchmal auf den ersten Blick Unmögliches möglich zu machen.“ Wir trafen Joachim Franz zum exklusiven Wolfsburg+-Interview.

Herr Franz, mit Ihrem Unternehmen Abenteuerhaus vertreten Sie die Werte Mut, Disziplin, Intelligenz, Vertrauen und Menschlichkeit. Warum ist es mit Blick auf „New Work“-Konzepte so wichtig, sich an diesen Werten zu orientieren?

» Unseren Wertekanon sehe ich folgendermaßen: Was bekomme ich, wenn ich es schaffe mit meinem Unternehmen diese Werte zu leben? Hier sprechen wir von Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit ist das Ergebnis des Zusammenwirkens aller oben beschriebenen Werte. Die junge Generation ist auf der Suche nach den Werten in den Unternehmen. Sie prüfen, ob diese Werte wirklich gelebt werden. Werte leben bedeutet für mich Glaubwürdigkeit.

Sie haben sowohl als Sportler als auch als Aktivist und Unternehmer viel erreicht. Ist das Setzen großer Ziele ein entscheidender Faktor, wenn es um die Weiterentwicklung von Unternehmen und den dort angestellten Menschen geht?

» Sport ist nur mein/unser Kommunikationsmittel für das Erreichen eines Ziels. Es ist wichtig, zu Beginn ein Ziel zu definieren, nur dann kann ich es verfolgen, mir überlegen, wie ich es erreiche und welche Maßnahmen/Hilfsmittel ich dafür benötige. Ohne ein Team, welches das Ziel versteht und die dafür nötigen Maßnahmen/Schritte mitträgt, wird es auf einer Expedition sehr einsam und schwer. Von daher, je mehr Fähigkeiten durch das Team zur Verfügung gestellt werden, je leichter kann das Ziel erreicht werden. Äußere Umstände gibt es genug, die dann auf die Organisation treffen. Wir fordern immer die Unternehmen auf, seid euch bewusst über die Fähigkeiten eures Teams und weckt diese in einer Expeditionsstrategie.

Was ist für Sie die wichtigste Maxime, wenn es um das Führen eines Unternehmens im Zeichen von „New Work“ geht?

» Mein persönlicher Grundsatz heißt: Erfolg ist eine Begleiterscheinung von dem, was du denkst und tust. Also ist folgerichtig die Hauptaufgabe auch hier: Finde heraus, wer in deinem Unternehmen arbeitet. Denn ohne dieses Wissen fehlt die Seele.

Joachim Franz in Aktion
Joachim Franz in Aktion © be your own hero e.V. / Max Winkler


Sie haben in Ihrem Leben zahlreiche Expeditionen begleitet und angeführt. Warum ist es Ihrer Meinung nach sinnvoll, das Leiten eines wirtschaftlichen Unternehmens als eine Expedition zu betrachten?

» Expeditionsteams sind das beste Beispiel für New Work. In der Umschreibung von New Work heißt es: Der Sinn von New Work ist es, die unternehmerischen Ziele, die Bedürfnisse der Mitarbeitenden nach Verantwortung, Freiheit und humaner Agilität, technische Möglichkeiten und räumliche Strukturen in Einklang zu bringen.Die Frage bleibt: Wie schaffen die Menschen die benötigte Offenheit für diesen doch großen Schritt einer „Unternehmens-Expedition“?

Würden Sie mit Blick darauf sagen, dass die Zusammenarbeit und das gegenseitige Vertrauen im Fokus eines solchen Vorhabens stehen sollten?

» Ohne 100 % Vertrauen – keine Chance. Ohne Vertrauen kann keine Zusammenarbeit stattfinden. Wenn ich ständig anzweifle oder kontrolliere was mein Gegenüber macht, wenn die Angst vor Vertrauensmissbrauch mir die Energie nimmt, welche Basis habe ich? Wenn ich weiß, wer was kann, dann verlasse ich mich darauf und gebe Verantwortung ab. Vertrauen ist alles in der Zusammenarbeit.


Mit „New Work“ entstehen auch immer flexiblere Arbeitsstrukturen. Halten Sie es für sinnvoll, an hierarchischen Systemen mit starken Führungskräften festzuhalten, oder ist es sinnvoller, über gänzlich neue Arten der Zusammenarbeit nachzudenken?

» Da sich die Möglichkeiten der Zusammenarbeit verändern, lässt dies immer Spielraum, alte Strukturen zu überprüfen und neue Ansätze zu finden. Das muss jedes Team für sich entscheiden. Es kommt auf das Unternehmen und deren Ziele an. Sicherlich bleibt es immer sinnvoll, dass die persönlichen Begegnungen, der Austausch auf Augenhöhe, im direkten Kontakt durch nichts zu ersetzen ist. Den Menschen fühlen, wahrnehmen. Das ist wichtig.

Der Kampf gegen Aids/HIV spielt in Ihrem Leben eine wichtige Rolle. Denken Sie, es ist wichtig bei dem, was man tut, gewisse Ideale zu verfolgen?

» Immer und immer wieder. Das persönliche Ziel nie aus den Augen zu verlieren und mit stetigen Paradigmenwechseln schärfen. Es gibt die unternehmerischen Ziele und die persönlichen. Jedes Ziel ist für mich eine Expedition. Expedition endet nie, sonst wäre das ein Stillstand.

Was würden Sie jemandem raten, der vorhat, ein Unternehmen zu gründen?

» Stelle dir die Frage, warum du dieses Unternehmen gründen möchtest, und danach, wovor du dabei Angst hast …


Fotos: © Fotos Be your own hero e.V. /  Max Winkler