Im Interview: Robert Geiss über seine Erfolgsstrategien mit Marken und Medien

Wer Robert Geiss auf das nervenaufreibende „Rooooooobääääärt“ seiner Carmen reduziert, der springt wahrlich zu kurz. Der erfolgreiche Selfmade-Millionär, 1964 in Köln geboren, importierte als Jugendlicher mit seinem Vater 120.000 Espandrilles aus China und legte mit diesem Deal den Grundstein für seine Lebensplanung. Das Invest von 60 Pfenning pro Paar war bei einem Verkaufspreis von 1,50 bis 2,20 Mark pro Paar an den Händler recht lukrativ – zumal der Vertrieb lediglich aus einer Annonce im Zentralmarkt bestand. Ebenfalls ins „analoge“ Zeitalter fällt der Aufbau des Fashion Labels „Uncle Sam“, das Robert mit seinem Bruder Michael 1986 gründete und nach knapp zehn Jahren für einen dreistelligen Millionenbetrag veräußerte.

Seit 2013 ist er mit dem Label Roberto Geissini zurück in der Modewelt. Parallel sind Carmen, Robert und die Töchter Davina und Shania seit 14 Staffeln und etlichen Specials Dauergäste in vielen Wohnzimmern. Die Sendung „Die Geissens – Eine schrecklich glamouröse Familie“ erreichte phasenweise ein Millionen-Publikum und wird seit 2015 von der familieneigenen Geiss TV GmbH produziert. Robert Geiss zählt zu den deutschen Unternehmern mit der größten Medienpräsenz. Alle Formate, Labels und die Familie selbst betreiben unzählige Accounts auf allen einschlägigen Social-Media-Plattformen. Grund genug für die Redaktion, Robert Geiss zum Interview zu bitten. Mit uns spricht er über seine persönlichen Erfolgsstrategien im Umgang mit Marken und Medien.

Inzwischen sind sowohl Sie als auch Ihre gesamte Familie eine erfolgreiche Marke. Haben Sie das bewusst so geplant?

Nachdem die ersten Folgen des Formats „Die Geissens“ so erfolgreich im deutschen Fernsehen gelaufen sind, war es für uns nur ein folgerichtiger Schritt, das Ganze unter einem bestimmten Logo bzw. unter einer bestimmten Marken-Bezeichnung laufen zu lassen. Da das somit für uns auf der Hand lag und ich ja auch durch Uncle Sam Branchenerfahrung hatte, war diese Entscheidung also naheliegend. Das eigentliche Familienwappen, welches meine Frau mir mal als Weihnachtsgeschenk hat entwerfen lassen und das dann zur Marke geworden ist, hatten wir schon lange vorab registrieren lassen, das ist heute schon 15 Jahre alt – es existierte also bereits, lange bevor wir überhaupt im Fernsehen zu sehen waren!

Das charakteristische Familienwappen der “Geissens”.

Ist es immer einfacher oder manchmal sogar schwieriger, Geschäfte zu machen, wenn man auf eine derart extreme Medienpräsenz wie die Ihre setzen kann?

Es ist natürlich in dem Moment, wo man eine gewisse Medienpräsenz hat und auch Einfluss auf die Medien nehmen kann, selbstverständlich auch einfacher, wenn man eine gewisse Strategie hat und bestimmte Leitlinien verfolgt. Dann kann man gut mit den Medien arbeiten und über diese sein Produkt bzw. Image oder seine Marke in die Welt „raustragen“. Das ist dann einfacher, als ohne diese Medienpräsenz.

Wie reagieren Sie auf Anfeindungen im Netz?

Jeder, der meinen Social-Media-Kanälen folgt bzw. sich die Folgen im Fernsehen anschaut, wird festgestellt haben, dass mich das eigentlich ziemlich kalt lässt – also mir auf gut Deutsch am Allerwertesten vorbeigeht! Anfeindungen im Netz kommen meistens von kranken Persönlichkeiten oder Neidern! Neider sollte man haben, denn ich sehe das so: Neid muss man sich erstmal erarbeiten – Mitleid bekommt man geschenkt. Und: Wer sich nicht mobben lässt, der ist auch nicht angreifbar.

Verfolgen Sie eine Social-Media-Strategie oder entstehen Ihre Posts aus dem Bauch heraus?

Ich bin im Social-Media-Bereich nicht so stark aufgestellt wie meine Töchter, respektive meine Frau, die das mit einer bestimmten Hingabe und Strategie verfolgen. Ich bin mehr spontaner User, der postet, wozu er gerade Lust hat. Deshalb bekomme ich auch den ein oder anderen Shitstorm, womit ich allerdings ganz locker leben kann. Ich poste das, worauf ich Lust habe!

Wie viel Zeit bringen Sie ca. für Ihr Marketing über die Social-Media- Kanäle auf?

Die Zeit, die ich für Social Media aufbringe, ist abhängig von der Zeit, die ich dafür übrig habe. Mal ein bisschen mehr, mal etwas weniger. In der Regel lege ich da keinen großen Wert drauf und würde mich jetzt nicht als einen „Social Media Junkie“ bezeichnen, der sich stundenlang überlegt, welche Geschichte er als Nächstes posten kann und was dann noch großartig dazu getextet werden muss. Ich bin in dem Bereich eher spontan unterwegs.

Anfeindungen lassen mich ziemlich kalt.

Robert Geiss

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Zunächst einmal meine Brand Roberto Geissini weiter nach vorne zu bringen! Wir arbeiten gerade an einer neuen Kollektion für die Zeit nach Corona. Außerdem haben wir neue Lizenz-Partner auftun können. Und auch unsere Marke „die Geissens“ soll weiter etabliert und mit vielen guten und neuen Ideen weiter nach vorne gebracht werden. Derzeit arbeiten wir an der neuen Staffel und gehen – sofern der Corona-Virus es zulässt, – nach wie vor auf Reisen und werden die Zuschauer auf unsere wie gewohnt witzige Art mit zu den neuen und interessanten Reisezielen nehmen und sie für eine kurze Zeit aus ihrem Alltag „entführen“.

Welchen wichtigsten Tipp würden Sie jungen Unternehmern bzw. Start-ups aus Wolfsburg geben in Bezug auf die Sozialen Medien?

Es ist meiner Meinung nach bei Social Media wichtig, dran zu bleiben und eine gewisse Kontinuität an den Tag zu legen. Zudem kann ich nur jedem den Tipp geben, nicht zu versuchen, auf dem Rücken anderer bekannt werden zu wollen, um Abonnenten „abzugraben“, sondern seine eigene individuelle Geschichte zu erzählen und diese in den Fokus zu rücken, mit sich selbst im Reinen zu sein und einen roten Faden zu haben. Also zu wissen, wohin will man und wie möchte man seine Marke oder sein Startup oder die Idee, die hinter dem Medienauftritt steht, präsentieren.

Lässt sich Ihr Modell auf andere übertragen?

Am Ende des Tages weiß man das erst im Rückblick: Wenn etwas oder jemand erfolgreich ist, dann lässt sich ein System immer wieder übertragen – die eigentlichen Fragen, die man sich stellen sollte, sind: Hat man die nötige Power und Kreativität, kann man seinen Hintern auch mal zusammenkneifen, denn man muss auch bereit sein, das eine oder andere zu leisten. Da kann man nicht auf die Uhr schauen, denn nach 8 Stunden ist der Arbeitstag leider oft noch nicht vorbei! Man muss immer wieder an seiner Strategie und Idee arbeiten und auch daran glauben. Erfolgreiche Menschen gibt es ja immer wieder aufs Neue: Es gibt weltweit nicht nur den einen Börsenmakler oder einen Präsidenten, der es geschafft hat, oder einen berühmten Sänger! Erfolge haben ist also immer wieder aufs Neue möglich. Man muss nur an sich glauben, eine gute Idee haben – ein bisschen Glück gehört natürlich auch dazu – wobei Glück ja eigentlich der Erfolg des Tüchtigen ist.

Robert Geiss, Foto: angelolair.com

Gibt es Dos und Don‘ts für Unternehmer in Social Media?

Social Media ist ja eigentlich nichts anderes als die Vermarktung einer Person oder eines Unternehmens. Insofern sollte man es tunlichst vermeiden, andere zu mobben, also sich beispielsweise rassistisch oder sexistisch zu äußern oder auf Kinder abzuzielen, wie es leider so oft gemacht wird. Authentizität ist wichtig, also nicht mit allzu übertriebenen Filtern und Fakes arbeiten. Und man sollte die eigene Strategie nach vorne bringen und ganz besonders: Ehrlich sein!

Wie hat sich die Epidemie auf Ihre Social-Media-Präsenz ausgewirkt?

Auf meine Präsenz hat sich die Epidemie so gut wie gar nicht ausgewirkt. Ich sehe das Ganze recht locker, habe jetzt eben etwas mehr Zeit. Nun hatten wir auch das Glück, dass wir vor der Corona-Krise noch eine kleine Weltreise machen und dabei auch noch die eine oder andere Folge für „Die Geissens“ produzieren konnten. Insofern hatten wir uns für den März sowieso Urlaub verschrieben – der dauert nun eben ein wenig länger – bis Ende April oder Anfang Mai. Shit happens, aber dann machen wir eben ein wenig mehr Urlaub, das bekommen „die Geissens“ am Ende des Tages ganz gut gebacken!