Maßnahmenempfehlungen
Die vier Handlungsfelder aus dem Standortkonzept Wolfsburg 2035+ gelten als Basis für 21 empfohlene Maßnahmen, aus denen im Folgenden einige ausgewählte und zukunftsnah realisierbare Punkte vorgestellt werden, um einen Einblick in das Konzept zu geben.
Entwicklung von Gewerbeflächen und Vermarktung von Büroflächen
Handlungsfeld: Diversifizierung der Wirtschaft
Zielstellung: Schaffung der Voraussetzung zur Ansiedlung
Die Stadt entwickelt gezielt Gewerbe- und Büroflächen für Unternehmen aus den Fokusbranchen wie Medizintechnik und Zivilschutz. Dafür werden verfügbare Flächen systematisch erfasst, Unternehmen frühzeitig in die Planung eingebunden und bestehende Immobilien mit flexiblen Mietmodellen sowie passender technischer Ausstattung bereitgestellt. Gleichzeitig entstehen neue, nachhaltige Gewerbeflächen mit modernen Infrastruktur- und Energiekonzepten. Die flexiblen Bedingungen sollen die nötigen Anfangsinvestitionen für Start-ups senken und den Markteintritt vereinfachen. Eine digitale Plattform soll zudem Transparenz über verfügbare Flächen und Ansiedlungsmöglichkeiten schaffen und Unternehmensansiedlungen erleichtern.
Anwendung eines „Fast-Track-Verfahrens“ für Genehmigungen
Handlungsfeld: Diversifizierung der Wirtschaft
Zielstellung: Schaffung effizienter Voraussetzungen zur Ansiedlung sowie Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit
Ein Fast-Track-Verfahren wird eingeführt, um strategisch wichtige Investitions- und Ansiedlungsprojekte schneller umsetzen zu können. Dafür werden Projekte anhand definierter Kriterien priorisiert und durch verkürzte Abstimmungswege, zentrale Ansprechpartner sowie schnellere Entscheidungsprozesse unterstützt.
Gründung eines Accelerators für technologieorientierte Start-ups mit Schwerpunkt KI, Mobilität und Fokusbranchen
Handlungsfeld: Diversifizierung der Wirtschaft
Zielstellung: Ansiedeln von Start-ups
Die Stadt Wolfsburg stellt ein branchenoffenes Gründungszentrum mit Schwerpunkten auf Künstliche Intelligenz, Sicherheit und Zivilschutz sowie Gesundheits- und Medizintechnik zur Verfügung. Ziel ist es, Start-ups und innovative Unternehmen bei Entwicklung, Skalierung und Markteintritt punktgenau zu unterstützen. Durch Kooperationen mit Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen erhalten Gründende Zugang zu Expertise, Infrastruktur, Mentoring sowie Unterstützung bei Finanzierung und Wachstum. Der Accelerator stärkt damit das regionale Innovationsökosystem, die Wertschöpfung und die technologische Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.
Aufbau eines gemeinsamen Campus und Ausbau von Projekten der Kreislaufwirtschaft an der Open Hybrid LabFactory
Handlungsfeld: Diversifizierung der Wirtschaft
Zielstellung: Ausbau der Aktivitäten in der Kreislaufwirtschaft
Im Zusammenschluss mit Partnern wie Volkswagen und der Technischen Universität Braunschweig soll der gemeinsame Campus gestärkt und Schlüsseltechnologien der Kreislaufwirtschaft an der Open Hybrid LabFactory als Innovationsstandort vorangetrieben werden. Schwerpunkte sind das Recycling von Kunststoffen, Composite-Materialien und Batterien. Ergänzend werden spezialisierte Studienangebote und Zertifikate aufgebaut, die OHLF gezielt auf Fachmessen vermarktet sowie Förderprogramme und Pilotprojekte unterstützt, um Forschung, Entwicklung und Investitionen im Bereich Recyclingtechnologien schneller umzusetzen.
Nutzung von Fahrzeugsensorik in der Smart City Wolfsburg
Handlungsfeld: Wolfsburg als digitale Modellstadt
Zielstellung: Schaffung der Datengrundlage zur Optimierung vom Verkehrsfluss, Straßenzustand etc.
In Serienfahrzeugen des Volkswagen-Konzerns werden seit 2020 Sensoren und Software eingesetzt, die unter anderem den Straßenzustand erfassen und die gewonnenen Daten cloudbasiert bereitstellen. Die Fahrzeuge fungieren damit als flächendeckende mobile Sensoren, deren aggregierte Daten in Echtzeit ausgewertet und in digitale Karten überführt werden. Diese Fahrzeugsensordaten, die durch NIRA Dynamics bereitgestellt werden, stehen der Stadt Wolfsburg zur Analyse zur Verfügung und ermöglichen eine kontinuierliche Bewertung von Straßenzuständen, Verkehrsflüssen und potenziellen Gefahrenlagen.
Entwicklung einer städtischen Datenstrategie mit dem Fokus auf die Vernetzung bestehender Dateninfrastrukturen
Handlungsfeld: Wolfsburg als digitale Modellstadt
Zielstellung: Vernetzung digitaler Infrastruktur, Weiterentwicklung der Datenhaltung/-bereitstellung
Im Rahmen dieser Empfehlung wird eine umfassende Datenstrategie von beteiligten Organisationseinheiten und der WOBCOM entwickelt, um datenbasierte Stadtentwicklung und den Einsatz Künstlicher Intelligenz systematisch voranzutreiben. Dafür werden bestehende Datenanwendungen, Geodaten, Dashboards und Mobilitätslösungen stärker vernetzt sowie ein zentraler Metadatenkatalog aufgebaut. Gleichzeitig wird der Digitale Zwilling der Stadt weiterentwickelt, um 3-D-Visualisierungen, Simulationen und datenbasierte Planungen zu ermöglichen. Ergänzende Sensorik in den Bereichen Verkehr, Umwelt und Frequentierung sorgt dafür, dass städtische Daten automatisiert erfasst und effizient genutzt werden können.
Aufwertung öffentlicher Räume in der Innenstadt
Handlungsfeld: Lebendige Innenstadt und Zukunftsräume
Zielstellung: Attraktive öffentliche Räume
Zentrale öffentliche Räume in der Innenstadt sollen gezielt aufgewertet werden, um Aufenthaltsqualität und Belebung zu stärken. Grundlage sind bestehende Innenstadtkonzepte, wobei stark frequentierte Bereiche prioritär entwickelt werden. Geplant sind attraktive Freiräume mit Sitzmöglichkeiten, Begrünung, Wasser- und Verschattungselementen sowie Orte für Kultur, Spiel, Sport und Begegnung. Zur gemeinsamen Abstimmung zwischen Verwaltung, Kultur, Vereinen, Gastronomie und Handel wird der Workstream „Öffentliche Räume“ eingerichtet.
Aktivierung des öffentlichen Raums sowie der Handelsflächen durch Veranstaltungen
Handlungsfeld: Lebendige Innenstadt und Zukunftsräume
Zielstellung: Aktive öffentliche Räume und starke Gastronomie und Handel
Die Stadt Wolfsburg stärkt die Innenstadt gezielt durch die Ansiedlung attraktiver Einzelhandels-, Gastronomie- und gründungsnaher Nutzungen. Dafür werden bestehende Förderinstrumente genutzt, um Leerstände – insbesondere in zentralen Erdgeschosslagen – durch Mietzuschüsse, Pop-up-Konzepte und temporäre Nutzungen zu aktivieren. Gleichzeitig werden Immobilieneigentümer gezielt eingebunden, um Flächen für Start-ups, KMU und regionale Angebote bereitzustellen. Ergänzend sorgen Veranstaltungen wie Streetfood-, Kultur- und Sportformate für mehr Belebung und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt.
Urbane Quartiersentwicklung am Nordkopf
Handlungsfeld: Lebendige Innenstadt und Zukunftsräume
Zielstellung: Neuordnung der Innenstadt/Ausbau hochwertiger Büroflächen am Nordkopf
Am Nordkopf der Porschestraße entsteht ein modernes und nachhaltiges Stadtquartier, das Handel, Gastronomie und Kultur mit Büro- und Wohnnutzungen sowie technologie- und kreativwirtschaftlichen Angeboten verbindet. Ziel ist es, die Wahrnehmbarkeit und Attraktivität der Wolfsburger Innenstadt für neue Zielgruppen deutlich zu erhöhen und einen lebendigen urbanen Schwerpunkt im nördlichen Innenstadtbereich zu etablieren.
Für die zentrale Quartiersentwicklung ist die Einbeziehung der Volkswagen AG in die Büroflächenentwicklung als möglicher Impulsgeber für weitere Investitionen und Projektentwicklungen unabdingbar. Das Bekenntnis und die Unterstützung der Volkswagen AG für die Quartiersentwicklung am Nordkopf wird eine entsprechende Attraktivität für potenzielle Investoren und Nutzer ausüben und die Vermarktung entsprechend positiv beeinflussen.