Wenn Fachkräfte von weit her kommen
Wie Keller Tersch mit einem Pilotprojekt kolumbianische Fachkräfte nach Wolfsburg holte – und was daraus wurde
Fachkräfte fehlen in allen Bereichen, auch im Landschafts- und Sportplatzbau. Die Firma Keller Tersch aus Wolfsburg spürt das seit Jahren. Eine Antwort darauf war die Teilnahme an einem Pilotprojekt der Bundesagentur für Arbeit und dem Landesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Niedersachsen-Bremen. Insgesamt sieben Betriebe in Niedersachsen beteiligten sich – mit dem Ziel, ausgebildete Fachkräfte aus Kolumbien für den deutschen Markt zu gewinnen. Seit 2022 arbeitet deshalb das Ehepaar Tania und Pablo bei Keller Tersch in Wolfsburg.
Ein Wolfsburger Traditionsunternehmen
Keller Tersch wurde 1961 in Wolfsburg gegründet und ist seitdem mit der Stadt gewachsen. Seit 1990 gibt es zudem einen zweiten Standort in Schönebeck bei Magdeburg. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 100 Mitarbeiter und hat sich auf Landschafts- und Sportplatzbau spezialisiert. In Wolfsburg liegt der Fokus vor allem auf dem Landschaftsbau – vorwiegend für Kommunen und gewerbliche Auftraggeber.
Ein neues Leben in Wolfsburg
Nach mehreren Online-Bewerbungsgesprächen war klar, dass Tania und Pablo zum Team passen können. Die beiden verpflichteten sich, noch in Kolumbien erste Deutschkenntnisse zu erwerben, während das Unternehmen erste Starthilfen organisierte – darunter Unterstützung bei der Wohnungssuche. In Wolfsburg angekommen, liefen sie zunächst in verschiedenen Teams mit, um im Arbeitsalltag anzukommen. Mittlerweile haben sie richtig Fuß gefasst – ihre vier Kinder sind nachgekommen und die Familie ist in eine größere Wohnung gezogen.

Die Anfangszeit war nicht ohne Hürden. Sprachlich war es schwierig und auch die Arbeit unterschied sich deutlich von dem, was Tania aus Kolumbien kannte. Dort arbeitete sie vor allem per Hand an Bäumen, hier stehen Maschinen im Mittelpunkt. Durch gezielte Weiterbildungen erreichte sie jedoch den Stand der deutschen Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin. „Ich bin dankbar für dieses Projekt. In Kolumbien ist es schwierig und es gibt wenig Jobs“, sagt sie. Früher musste ihr Mann zwei Jobs nachgehen – das ist heute nicht mehr so. Die Arbeit macht ihnen Spaß und die Entscheidung ist gefallen: Die Familie will in Deutschland bleiben.
Gelungenes Beispiel, offene Fragen
Für Keller Tersch hat es gut funktioniert, aber bei anderen Betrieben scheiterte es teilweise an zu großem organisatorischem Aufwand. Für Uwe Keller-Tersch bleibt Ausbildung der wichtigste Hebel. „Die Ausbildung zum Garten- und Landschaftsgärtner ist vielleicht gerade in Wolfsburg bei jungen Leuten nicht bekannt genug“, sagt der Geschäftsführer. Er hofft, dass die Vielfältigkeit des Berufs künftig mehr Aufmerksamkeit bekommt – denn das könne langfristig am meisten bewirken.
Titelfoto: © Keller Tersch