Von der Idee zur gelebten Smart City
Wolfsburg zieht nach sieben Jahren Bilanz und blickt nach vorn
Wegfall von 20 Parkplätzen vor der Feuerwehr? Undenkbar!“. So lautete die erste Reaktion, als die Erweiterung der Freiwilligen Feuerwehr in Fallersleben geplant wurde und die davor gelegenen Stellplätze entfallen sollten. Aufgrund nahe gelegener Einkaufsläden und eines angeblich immer vollen Parkplatzes 150 Meter entfernt würden diese dringend benötigt werden. Der erste Lösungsvorschlag? Ein teures Parkdeck. Doch als Smart City setzt Wolfsburg auf belastbare Daten statt auf Annahmen. Drei Monate lang erfassten Sensoren auf dem angeblich immer belegten Parkplatz rund um die Uhr die Nutzung der 100 Stellflächen. Das Fazit: Die Auslastung ist meist niedrig und steigt nur an besonderen Tagen wie dem „Kartoffelsonntag“. Wolfsburg konnte so auf den Bau eines Parkdecks mit Kosten im sechsstelligen Bereich verzichten. Für die Datenerhebung fiel stattdessen ein vergleichsweise geringer fünfstelliger Betrag an.
Das ist, was die Smart City Wolfsburg auszeichnet: Lösungen basierend auf aussagekräftigen Daten.
Mehr als ein Förderprojekt

Die Parkplatzanalyse in Fallersleben steht beispielhaft für Wolfsburgs Weg der letzten sieben Jahre. Das Bundesprogramm „Modellprojekte Smart Cities“ spielte eine zentrale Rolle. Am 31. März 2026 endete die Förderung. Was bleibt, ist eine Stadt, die sich digitaler, nachhaltiger und bürgernäher entwickelt. Lösungen wie die Wolfsburg-App oder Smart Parking sind fester Bestandteil des Alltags vieler Bürger geworden. „Das Ende des Förderzeitraums ist für Wolfsburg kein Schlusspunkt, sondern ein wichtiger Übergang. Entscheidend ist für uns nicht die Technik um ihrer selbst willen, sondern der konkrete Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger. Wenn digitale Lösungen helfen, Entscheidungen besser vorzubereiten, Wege zu vereinfachen oder Beteiligung zu stärken, wird Smart City im Alltag spürbar. Genau auf dieser Grundlage wollen wir Wolfsburg weiter lebenswerter, effizienter und zukunftsfähiger gestalten“, sagt Oberbürgermeister Dennis Weilmann.
Herausforderungen und kreative Lösungen
Alle Hauptprojekte wurden verstetigt und in den städtischen Regelbetrieb überführt. Doch zwischen Fördervorgaben, Technik und Datenschutz gab es Herausforderungen, die kreative und durchdachte Lösungen erforderten. Als Beispiel sei das Testfeld Smart Parking genannt. Aus Datenschutzgründen muss sichergestellt sein, dass die KI-Objekterkennungssoftware keine personenbezogenen Daten verarbeitet. Da es sich hierbei um den Einsatz einer neuen Technologie für die Verwaltung handelt, wurden verschiedenste Ansätze zur Lösung dieser Herausforderung verfolgt. Das Ergebnis? Die Daten werden lokal und ohne Speicherung auf dem Parkplatz verarbeitet. Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme ist die Bildqualität so niedrig, dass weder Personen noch Kennzeichen erkennbar sind, aber die Objekterkennungssoftware die Objekte sicher zuordnen kann. Dr. Sascha Hemmen, Leiter des Geschäftsbereichs Smart City und IT-Services, reflektiert: „Die größten Herausforderungen lagen nie in der Technologie selbst, sondern darin, Anforderungen, wie die des Datenschutzes, der Benutzerfreundlichkeit oder auch der langfristigen Finanzierbarkeit gerecht zu werden. Dass wir das geschafft haben, zeigt, dass Smart City vor allem auch eine Frage der intelligenten Umsetzung ist.“
Erfolge, Lernprozesse und Mehrwert
Offene Diskussionen, konstruktive Kritik und die Bereitschaft, Neues zu wagen, haben veranschaulicht, dass Fortschritt nur gemeinsam mit Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Bürgerschaft entstehen kann. Thementage und Beteiligungen folgten dem Motto „Smart ist, was ein Problem löst“. Regionale Partner trugen mit Technik und Fachwissen maßgeblich zur Entwicklung der Smart City Wolfsburg bei. Wirtschaftsdezernent Jens Hofschröer ist sich sicher: „Die enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Verwaltung war ein zentraler Erfolgsfaktor auf dem Weg zur Smart City. Sie hat aber auch
gezeigt, wie wichtig regionale Partnerschaften mit Unternehmen und Startups für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung sind.“ Die Resultate kommen auch anderen Kommunen zugute. Etwa durch Open-Source-Lösungen wie den Open City Manager, der bereits in anderen Städten genutzt wird oder die
KI-Objekterkennungssoftware vom Testfeld Smart Parking. Bei der Weiterentwicklung zur Messung der Verkehrsfrequenz konnte die Open-Source-Software DAVe (kurz: Datenbank und Auswertung von Verkehrszählung) der Landeshauptstadt München in die Wolfsburger Open-Source-Softwarelösung
integriert und weiterentwickelt werden. Dadurch ist es beispielsweise möglich, die Daten in Knotenstromdiagrammen anzuzeigen, aber auch Daten aus anderen Messtechnologien zu integrieren. Bürger profitieren von cleveren Mobilitätslösungen und unkomplizierter Parkplatzsuche. Parken auf städtischen Flächen kann ohne zusätzliche Gebühren über die Wolfsburg-App bezahlt werden. In Wolfsburg kann man zudem an städtischen Entscheidungen teilhaben und beobachten, wie Alltagsprozesse schneller und einfacher werden.
Der Ausblick: Eine Stadt, die weiterdenkt
Das Förderprogramm „Modellprojekte Smart Cities“ diente dem Lernen, Experimentieren und Schaffen der Basis eines smarten Wolfsburgs. Mit dem Ende des Förderzeitraums befindet sich die Smart City Wolfsburg jedoch weiterhin in der Entwicklung und behält den dynamischen, prozessoptimierenden und
digitalen Lösungsansatz bei. Viele Projekte beginnen jetzt, ihre eigentliche Wirkung zu entfalten. Historische Daten werden gesammelt, um daraus fundierte Maßnahmen und Entscheidungen abzuleiten. Jetzt gilt es, das im Förderprogramm Gelernte gezielt zu nutzen und Wolfsburg smart weiterzudenken.
Was die Smart City Wolfsburg heute ausmacht
Bereits 2016 wurde mit der Initiative #WolfsburgDigital die Digitalisierung als strategischer Baustein fest in die Stadtplanung integriert. Drei Jahre später wurde Wolfsburg als eine von nur drei deutschen Großstädten in der ersten Förderstaffel des Bundesprogramms „Modellprojekte Smart Cities“ ausgewählt. Dadurch erhielt die Stadt zusätzliche finanzielle Mittel um die Entwicklung zur Smart City voranzutreiben. Von Teilhabe über Umwelt bis hin zu Mobilität: die zahlreichen Innovationen und das mutige Voranschreiten der Stadt tragen heute ihre Früchte.
Überblick der einzelnen Projekte:

Mobilität neu gedacht
Die Stadt Wolfsburg setzt auf intelligente Lösungen für den Verkehr der Zukunft:
- mobiSTATIONEN: Vier zentrale Knotenpunkte, die ÖPNV, E-Ladepunkte und Fahrradabstellplätze bündeln und so den Umstieg zwischen Verkehrsmitteln erleichtern.
- Mobilitätslabor Fallersleben: Sensoren erfassen Parkplatzauslastung und Verkehrsfrequenz, um eine datenbasierte Verkehrsplanung zu ermöglichen.
- Testfeld Smart Parking: KI-gestützte Parkplatzlösungen und Echtzeitdaten zur Parkplatzbelegung, abrufbar über die Wolfsburg-App und das digitale Parkleitsystem.
Bildung und Teilhabe für alle
Digitalisierung soll inklusiv und partizipativ sein. Deshalb gibt es Projekte wie:
- LibraryLab: Eine offene Werkstatt in der Stadtbibliothek, in der Kinder und Jugendliche wöchentlich ohne Leistungsdruck Themen wie Robotik oder Programmieren erkunden können.
- Wolfsburger Lupe: Ein barrierefreies, mehrsprachiges Bildungsportal mit Kita- und Schulfinder sowie Ratgebern zu Lebensfragen.
- meinWolfsburg: Die Bürgerplattform für Mängelmelder, Ehrenamt und demokratische Mitbestimmung.
Daten als Grundpfeiler der Zukunft

Daten sind die Basis für fundierte Entscheidungen und Prozesse:
- Digitaler Zwilling: Ein interaktives 3D-Stadtmodell, das für Planung und Simulation genutzt wird, etwa für Hitzeanalysen oder Schattenwurf. Ab Sommer steht der 3D-Viewer mit der Themenkarte Sensorik allen Bürgerinnen und Bürgern offen.
- Data Warehouse: Die zentrale Datenplattform der Statistikstelle bietet Zugriff auf Daten wie Mietspiegel oder Verkehrsunfalldaten. Neue Dashboards zu Klima, Verkehr und Demographie sind derzeit in der Entstehung.
- Open City Manager: Ein digitales Tool zur Verwaltung kommunaler Objekte wie Spielplätze, Bäume oder Sportgeräte inklusive Wartung und Mängelerfassung. Bald werden erste Anwendungen wie das Sporthallen- und Baummanagement produktiv genutzt.
- Resilientes Wolfsburg: 28 KlimaCubes und weitere Sensoren messen Klima, Wasser und Bodenfeuchte, um eine datenbasierte und klimaresiliente Stadtplanung zu ermöglichen.
Die Stärke der Smart City Wolfsburg liegt im Zusammenspiel der einzelnen Projekte. Daten aus dem Testfeld Smart Parking und dem Mobilitätslabor Fallersleben fließen in die Wolfsburg-App ein und ermöglichen das Abrufen von Parkplatzbelegungen in Echtzeit. Die im Bereich Smart Parking entstandene Objekterkennung erfasst Straßenabfälle durch eine smarte Kehrmaschine und wird in der Verkehrsfrequenzmessung angewendet. Auch der Digitale Zwilling und das Data Warehouse profitieren von den Daten aller Projekte. Diese werden dort gebündelt, analysiert und liefern so die Grundlage für noch präzisere Stadtplanungen. Die Wolfsburg-App nutzt den Mängelmelder der Bürgerplattform „meinWolfsburg“, so dass Mängel unkompliziert per Smartphone gemeldet werden können. Auch das LibraryLab wirkt über die Grenzen der Stadtbibliothek hinaus und platziert seine Mitmach-Angebote im Begegnungszentrum „Das WEST“ und pflegt Kooperationen mit Kitas und Schulen.